15/09/2025
Wie einige schon gelesen haben in der MZ, gab es ein kleines Interview mit Alex, wer es nicht gelesen hat, dem haben wir den Artikel angefügt in diesem Post.
Demnächst auch beim MDR, denn heute hatten wir einen kleinen Dreh bei uns im Haus😀 den Sende Termin geben wir dann bekannt.
WIR HOFFEN DAS AUCH ANDERE FIRMEN, SICH GERN BEREIT ERKLÄREN MENSCHEN MIT KÖRPERLICHER ODER GEISTIGER EINSCHRÄNKUNG EINE CHANCE BIETEN IHR KÖNNEN AUF IHRE ART ZU BEWEISEN.
Dienstag, 09. September 2025
Lokal
Chance genutzt
Von der geschützten Werkstatt für behinderte Menschen in Neinstedt zum festen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt: Ein junger Mann hat den Absprung geschafft.
Von Kjell Sonnemann
Thale/Neinstedt/MZ. „Das geht hier ja so schnell wie bei der Formel 1!“ Wenn solch ein Lob von einem Kunden kommt, ist Alexander Golla stolz. Überhaupt ist er stolz auf seine Tätigkeit: Der 21-Jährige gehört zum kleinen Team vom Reifendienst Thomas Kipf in Thale. Er wechselt Räder oder wäscht sie in einer speziellen Maschine. Vor einem guten Monat trat er den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz an – was etwas ganz Besonderes ist für einen Menschen mit kognitiven Einschränkungen: Er hat es geschafft, die geschützte Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Neinstedt hinter sich zu lassen und auf den ersten Arbeitsmarkt zu kommen.
In den gut 30 Jahren, seit sie dabei ist, sei das erst zweimal erfolgreich gelungen, ordnet Kathrin Stuy ein. Sie leitet den Berufsbildungsbereich von „Teamwork WfbM“ der Evangelischen Stiftung Neinstedt. Es muss vieles perfekt zusammenpassen – und genau das tut es beim Reifendienst Kipf und Alexander Golla.
Dieser startete 2022 nach der Schule seine berufliche Bildungszeit in der Werkstatt für behinderte Menschen, probierte sich beispielsweise in der Tischlerei und im Lager aus. Golla hatte aber stets ein klares Ziel vor Augen: Er wollte sich weiterentwickeln – am liebsten außerhalb der geschützten Werkstatt. Thomas Kipf gab ihm eine Chance und einen Praktikumsplatz.
Zunächst war der junge Mann äußerst ruhig – „er musste Massen an Eindrücken verarbeiten“, erklärt Kathrin Stuy. Als Saisonkraft kam Golla zurück in die Firma – und überzeugte: Alle Handgriffe hatte er sich gemerkt, führte die Aufgaben korrekt und schnell aus. „Er hat sich sehr gut eingearbeitet, auch wenn es ein bisschen gedauert hat, die Arbeitsabläufe kennenzulernen. Er ist mit seinen Aufgaben gewachsen“, blickt seine Chefin Jennifer Brilz zurück und verrät mit einem Schmunzeln, dass der einst ruhige Alexander Golla jetzt auch schon mal ein bisschen gezügelt werden müsse.
Und so war nach dem Abschluss seiner beruflichen Bildung klar: Der 21-Jährige gehört ins Team von Reifen Kipf. Er wollte schon immer etwas arbeiten, das mit Autos zu tun hat, berichtet Alexander Golla, der Mercedes-Fan ist. „Aber alle werden gleich sorgfältig behandelt“, sagt er. Jeder Kunde sei froh, wenn gut gearbeitet wird, wenn saubere Räder funkeln.
Golla stammt aus einer Familie, die Schicksalsschläge verkraften musste, aber zusammenhält. Er hat sich trotz seiner Einschränkungen so toll entwickelt, dass er mittlerweile in einer eigenen Wohnung lebt und eigenständig Verantwortung für seinen Alltag übernimmt. Bei bürokratischen Themen unterstützt ihn eine gesetzliche Betreuerin.
Der junge Mann kann zu Fuß zu seinem Arbeitsplatz gehen, der durch das Budget für Arbeit ermöglicht wurde. „Er ist flexibel und kann anpacken“, lobt Kathrin Stuy und berichtet, wie Golla zwei Räder zielsicher rollt – parallel und schnell.
Jennifer Brilz und Thomas Kipf hoffen dass auch andere Betriebe Menschen wie Alexander Golla eine Chance geben, es mit ihnen einfach mal in Ruhe ausprobieren. Der 21-Jährige hat seine Chance genutzt. Er hat Anerkennung für seine Leistung, Teilhabe und einen Job, bei dem er auf Augenhöhe mit Kollegen arbeitet.