30/12/2022
Jahresende ist die Zeit zurück zu blicken und Bilanz zu ziehen - und für einen Ausblick in das kommende Jahr.
Was ist der aktuelle Stand?
- Kurz vor Weihnachten kam der Abschlussbericht zum ChargeIQ Projekt. Als eine von 22 Ladesäulen des Projekts (< 5%) haben wir trotz dem späten Einstieg im April 2022 in nur acht Monaten über 3.000 kWh (> 20%) des im Projekt geladenen Stroms bereitgestellt.
- Trotz des gestiegenen Strombedarfs durch die Ladesäule (1/3 des Verbrauchs) konnten wir 2/3 unseres Stroms aus der eigenen PV-Anlage bereitstellen und das obwohl wir 2/3 unseres selbst erzeugten Stroms in das öffentliche Netz einspeisen.
Das sind sicherlich gute Werte, aber auch Ansporn es noch besser zu machen. Und daher der Ausblick:
- Im Frühjahr 2023 wird eine zweite Ladesäule installiert, die ausschließlich selbst erzeugten Strom aus der PV-Anlage nutzt ("Überschussladen"). Von den Nächten und Wintermonaten abgesehen (ca. März bis Oktober) kann damit wahlweise auch ganz ohne (Öko-) Strom aus dem öffentlichen Netz geladen werden.
- Um möglichst oft eigenen PV-Strom zur Verfügung zu haben werden wir unsere PV-Anlage nochmals um 9,9 kWp (+50%) erweitern und den Zwischenspeicher ebenfalls um 11 kWh (+140%). Durch PV-Anlagen mit Ost-, Süd- und Westausrichtung in verschiedenen Winkeln (7 bis 90 Grad) wird damit eigener PV-Strom zu nahezu allen Tages- und Jahreszeiten ermöglicht.
Und noch ein paar Anmerkungen:
- Während überall die Strompreise steigen können wir an der Überschussladesäule aufgrund der Unabhängigkeit von Netzstrom künftig sogar noch günstigere Preise als bisher ohnehin schon anbieten. Die Preise für die Feststrom-Ladesäule werden nur sehr moderat steigen, da auch dort ein Großteil der Energie aus der eigenen PV-Anlage stammt.
- Es muss gesagt werden: Die Bürokratie rund um das legale errichten einer öffentlichen Ladesäule ist undurchsichtig, kompliziert und zeitaufwändig. Aufgrund der neuen Ladesäulenverordnung wird ab 2023 auch kein ad hoc Laden (mit Kreditkarte) mehr möglich sein, da für den "Verkauf an unbekannte Dritte" künftig geeichte Zähler notwendig sind, was unzumutbare Kosten nach sich zieht. Unsere Lösung sind RFID-Kundenkarten, die es bei uns kostenfrei gibt und über die gemütlich per monatlicher Rechnung der geladene Strom abgerechnet wird. Bei Interesse einfach melden.
- Eine möglichst hohe Energieautarkie über regenerative, regionale (Strom-) Erzeugung ist mir ein Herzensprojekt und nach meiner Überzeugung eine ökologische Notwendigkeit. Das war immer ein Hobby, das sich auf Dauer selbst tragen sollte um zu zeigen, dass es möglich ist - die gestiegenen Energiekosten machen es aber aktuell selbst für Menschen die nicht im Verdacht stehen Öko-Spinner zu sein noch viel attraktiver, was der Energiewende hoffentlich einen weiteren und notwendigen Schub gibt. Ich bin kein Energieberater und kein Profi in dem Bereich, kann aber sagen, dass das Konzept (hier zumindest) aufgeht und gebe meine Erfahrungen auch gerne weiter.
- Noch ein Appell an die Politik: Wenn wir warten bis es für jedes einzelne kW eigenen Strom ein Formblatt gibt das ich dann von Hand ausfüllen und per Fax versenden muss werden wir die Energiewende nicht hinbekommen - zumindest nicht in einer annehmbaren Zeit. Das muss pragmatisch, einfach und schnell gehen. Das ist hier in Deutschland vielleicht nicht unsere Stärke, aber technisch möglich wäre es theoretisch mit entsprechendem Willlen... richtig lustig wird es im Bereich E-Mobilität ja erst mit intelligenten Netzen, Vehicle to Home, Vehicle to Grid etc. und davon sind wir noch sehr weit entfernt...