20/10/2025
Leute, sind Sätze wie „Das haben wir früher auch nicht gebraucht. Hat trotzdem funktioniert“, oder „Früher hätte es das nicht gegeben“, oder „Wie haben die das nur früher überlebt?“ eigentlich Sätze von Innovationsmüdigkeit, Blindheit oder von Arroganz? Oder von allem ein bisschen? Wir fragen für eine Behörde.
Manchmal wäre es schöner, ohne diese Diskussionen. Wenn der Mensch sich einfach mal freuen würde, dass es Innovationen gegeben hat, dass sich Dinge positiv entwickelt haben und er diese nun für ein besseres Leben nutzen kann. Es gibt Erfindungen, da ist das passiert. Nicht auszudenken, wenn Elisha Gray, Alexander Graham Bell und Philipp Reis auf die damaligen Bedenkenträger gehört und sich gesagt hätten: „Klar, Telefon. Nette Utopie, aber hey, dann halt weiter Brieftauben oder Boten, die man einkerkern kann, wenn einem die Nachricht nicht gefällt. Hat doch immer funktioniert.“
Und damit sind wir schon elegant zum Thema Winterreifen übergegangen. Hatten Sie nicht gedacht bei diesem Einstieg? Seltsam. Nun… auch beim Thema Winterreifen scheiden sich bekanntlich die Geister. Warum soll ich bei diesen Temperaturen wechseln? Es gibt ja auch keine allgemeine Winterreifenpflicht. Ich kann doch Autofahren. Und so weiter und so weiter. Da ist der Punkt. Einfach mal Dinge, die funktionieren nutzen. Weil sie helfen. Winterreifen schützen vor Gefahren im winterlichen Straßenverkehr. Sie schützen Sie und andere Verkehrsteilnehmer.
Als John Boyd Dunlop, ein Tierarzt aus Schottland, den Luftreifen 1888 erfand – es gab wohl auch schon jemanden vor ihm, der die gleiche Idee hatte – und die Brüder Michelin den Luftreifen dann auch für Autos entwickelten, war das ein Fortschritt. Aber, es gab halt erst einmal nur den einen Reifen. Hat damals funktioniert, klar, aber im Winter war dieses einzige Modell eine einzige Rutschpartie. Weitere Entwicklungen und mehr Wissen haben dann zu den heutigen Sommer- und Winterreifen mit den entsprechenden Profilen, passend für die Jahreszeiten, geführt. Gibt es für Fahrräder und für Autos.
Nochmal, ja, es gibt keine allgemeine Winterreifenpflicht, aber eben eine situative. Bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf nur mit Winterreifen gefahren werden. Da niemand eine Glaskugel hat, wann der Winter da ist – anders als auf Westeros, anderes Thema – gilt die Empfehlung, Winterreifen von Oktober bis Ostern aufzuziehen. Kurz auf die Uhr geschaut. Sie könnten jetzt einen Termin machen oder selbst Hand anlegen. Auch bei niedrigen Plustemperaturen ist der Wechsel bereits sinnvoll.
Erlaubte Winterreifen erkennen Sie an einem Alpine-Symbol, das ist ein Bergpiktogramm mit einer Schneeflocke. Das Symbol muss auch auf Ganzjahresreifen vorhanden sein. Reifen, die nur eine M+S-Kennzeichnung für Matsch und Schnee haben, sind bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr erlaubt. Verstoßen Sie gegen diese situative Pflicht in dem Moment, in dem der Winter da ist, dann droht Ihnen ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro. Dazu gibt es einen Punkt in Flensburg. Bei Unfällen im Winter mit Sommerreifen meldet sich die Versicherung mit dem Thema Mitschuld bei Ihnen. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt auch für Winterreifen 1,6 Millimeter. Mehr ist immer besser.
Der Vollständigkeit halber: die Winterreifenpflicht gilt unter anderem nicht für einspurige Kraftfahrzeuge, wie Motorräder, Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft und für motorisierte Krankenfahrstühle im Sinne des § 2 Nummer 13 FZV. Dazu müssen dann weitere Regeln eingehalten werden.
Übrigens, für all jene, die ihre Steuergelder nicht dafür ausgeben möchten, dass die Polizei mit diesen Texten präventive Botschaften zum Schutz aller Verkehrsteilnehmer in den Äther sendet und somit als staatliche Behörde eiskalt in ihr freiheitliches Leben eingreift – oder so –, geben das bitte einfach auf dem nächsten Steuerüberweisungsbeleg im Betreff an. Ein Satz wie: „Ich gebe mein Steuergeld nicht der Polizei Paderborn.“ oder einfach „Mache ich nicht, Brudi.“ reichen aus. Der Bundesfinanzminister wird das dann berücksichtigen und das Geld in Bildung investieren. Hat er früher auch schon gemacht. Bestimmt.
Foto: Symbolbild aus dem Winter im letzten Jahr. Weil, noch liegt ja kein Schnee bei uns.