20/06/2026
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Ende der 1980er Jahre gab es in Deutschland genau zwei kompakte Sportwagen, die jeder junge Fahrer haben wollte. Den VW Golf II GTI 16V. Und den Opel Kadett E GSi 16V. Wolfsburg gegen Rüsselsheim. Vier Ventile pro Zylinder auf jeder Seite. Und eine Rivalität, die auf Landstraßen, Autobahnen und Stammtischen ausgetragen wurde.
Der Golf II GTI 16V kam 1986 auf den Markt. Motor: der 1,8-Liter-Vierzylinder mit 16 Ventilen und 139 PS ohne Katalysator. Mit Katalysator (ab 1987) waren es 129 PS. Der Motorkennbuchstabe KR für die Kat-freie Version, PL für die katalysierte. Bosch KE-Jetronic Einspritzung. Fünfgang-Schaltgetriebe. Frontantrieb. 210 km/h Höchstgeschwindigkeit. 0 auf 100 in 8,3 Sekunden.
Der Golf GTI 16V war die Evolution des legendären GTI-Konzepts. Kein radikaler Neuanfang, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Der 16V-Kopf gab dem Motor mehr Drehfreude, eine höhere Drehzahlgrenze und einen kernigeren Klang. Das Fahrwerk war straffer als beim normalen GTI. Die Lenkung direkter. Der Golf II war nie das schnellste Auto auf der Geraden, aber in Kurven war er kaum zu schlagen. Das Handling war sein Trumpf.
Der Opel Kadett E GSi 16V erschien 1988. Zwei Jahre später als der Golf. Und er kam mit einem Vorsprung, der auf dem Papier deutlich war: 2,0 Liter Hubraum und 156 PS ohne Katalysator. Mit Kat 150 PS. Der Motorkennbuchstabe C 20 XE für die Version ohne Kat, der C 20 XE mit Kat leistete minimal weniger. 17 PS Vorsprung gegenüber dem Golf GTI 16V ohne Kat. 21 PS mit Kat. In der Kompaktklasse der späten 1980er war das ein deutlicher Unterschied.
Auf der Autobahn war der Kadett GSi 16V eine Rakete. Über 210 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Aerodynamik des Kadett E war für die Klasse herausragend. Der cW-Wert von 0,30 lag auf dem Niveau deutlich teurerer Limousinen. Bei hohem Tempo machte sich das bemerkbar: Der Kadett lag stabiler und war effizienter als der Golf. Dazu das digitale "Mäusekino"-Tacho, das Digitalinstrument, das den Kadett GSi von jedem anderen Kompaktwagen seiner Zeit unterschied. Grüne Digitalanzeigen statt analoger Rundinstrumente. 1988 sah das nach Raumschiff aus.
Der Golf konterte mit dem, was der Golf immer konnte: Fahrgefühl. Die Lenkung war präziser. Das Fahrwerk ausgewogener. In der Kurve fühlte sich der Golf sicherer und kontrollierter an als der Kadett. Der Golf war das Auto für die Landstraße. Der Kadett das Auto für die Autobahn. Wer schnell geradeaus fahren wollte, fuhr Opel. Wer schnell um die Ecke fahren wollte, fuhr VW.
Beide Autos waren ohne Katalysator besser. Das ist die Wahrheit, die man 2026 nicht laut sagen soll, aber die jeder wusste, der in den späten 1980ern Auto gefahren ist. Die Kat-freien Versionen hatten mehr Leistung, besseres Ansprechverhalten und einen aggressiveren Klang. Die Katalysator-Versionen waren die Zukunft, die damals niemand wollte.
Der Golf II GTI 16V wurde bis 1991 gebaut. Der Kadett E GSi 16V ebenfalls. Beide wurden von ihren Nachfolgern abgelöst: dem Golf III VR6 und dem Opel Astra F GSi 16V. Aber keiner der Nachfolger hatte die gleiche Magie. Der Golf III war schwerer und weicher. Der Astra F nüchterner. Die späten 1980er waren das goldene Zeitalter der kompakten Sportwagen mit Saugmotor, und der Golf GTI 16V und der Kadett GSi 16V waren die Könige dieses Zeitalters.
Heute sind beide Autos gesucht. Gute Golf II GTI 16V kosten je nach Zustand zwischen 15.000 und 30.000 Euro. Der Kadett GSi 16V ist seltener und in guten Exemplaren noch schwerer zu finden, weil er aggressiver gefahren und weniger sorgfältig gepflegt wurde als der Golf. Die Ironie: Der Golf, der immer als der vernünftigere der beiden galt, hat deshalb in besseren Zuständen überlebt. Der Kadett, der als das wildere Auto galt, wurde von seinen Besitzern entsprechend behandelt.
Golf oder Kadett? 1988 war das die Frage. 2026 ist es immer noch die Frage.