12/06/2026
Der Golf II war nicht einfach ein neuer Golf. Er war ein neues Konzept. Das erste Fahrzeug aus Wolfsburg, das konstruktiv für vollautomatische Produktion angelegt wurde. Halle 54. Die legendäre Produktionshalle, in der Roboter den Golf zusammenbauten. Nicht Menschen. Roboter. 1983. Drei Jahre bevor der Begriff "Industrie 4.0" erfunden wurde, baute VW in Wolfsburg bereits die Fabrik der Zukunft.
Im August 1983 vorgestellt. 17 Zentimeter länger als der Golf I. 5,5 Zentimeter breiter. 7,5 Zentimeter mehr Radstand. 55-Liter-Tank statt des kleineren Vorgängertanks. Rund 95 Kilogramm schwerer. Weicher gezeichnet als der kantige Vorgänger. Die hochgesetzten, kompakten Heckleuchten wurden zum Designmerkmal, das jede folgende Golf-Generation prägte.
Ausstattungslinien C, CL und GL. Der GTI folgte ein halbes Jahr später, im Januar 1984. Und mit ihm der erste Golf mit geregeltem Katalysator. 1,8-Liter-Motor mit 90 PS und Benzineinspritzung. Umweltschutz im GTI. 1984 war das Neuland.
Das Leergewicht des 1,8-Liters: exakt 888 Kilogramm. Zehn Kilogramm pro PS. Ein Leistungsgewicht, das Fahrleistungen ermöglichte, die den Daten auf dem Papier widersprachen. 90 PS klangen bescheiden. 888 Kilogramm machten sie lebendig.
1985 kamen Hydrostößel für die Benzinmotoren. Das manuelle Einstellen des Ventilspiels entfiel. Ein Detail, das kein Käufer auf der Ausstattungsliste bemerkte. Aber das jeder Mechaniker feierte.
1986 der syncro. Permanenter Allradantrieb. Hinterräder an Schräglenkern geführt. 1,8-Liter mit 90 PS. 1.100 Kilogramm. Der Kofferraum schrumpfte um ein Drittel wegen des Hinterachsdifferenzials. 1,5 Liter mehr Verbrauch. Der Preis des Allrads.
1987 ein Hybrid-Golf. 1,6-Liter-Diesel kombiniert mit einem 7-kW-Elektromotor auf einer Welle. 2,5 Liter Diesel plus 16,3 kWh Strom auf 100 Kilometer. Wahlweise rein elektrisch oder Diesel ab Tempo 60. 1987. VW experimentierte mit Hybrid, als Toyota noch zehn Jahre vom Prius entfernt war.
1988: Zehn Millionen Golf I und II zusammen. Eine Sonderserie in Starblue mit blaugetönter Verglasung feierte den Rekord.
Und dann 1989 die verrückte Seite. Der Rallye Golf G60. Homologationsmodell für den Motorsport. 1,8-Liter mit G-Lader und 160 PS. Stark verbreiterte Kotflügel. Rechteckige DE-Hauptscheinwerfer. Seitenschweller. Spezielle Stoßfänger. Allrad. Ein Golf, der aussah, als hätte er Muskeln bekommen.
Der Golf G60 Limited. 71 Exemplare. Ausschließlich in Schwarz. Weitgehend in Handarbeit bei Volkswagen Motorsport gebaut. 210 PS aus dem 1,8-Liter-16V mit G-Lader. Allradantrieb. Vollleder. Beheizte Sportsitze. Elektrisches Schiebedach. Knapp 70.000 DM. Von außen nur am blau umrandeten Kühlergrill mit Motorsport-Plakette zu erkennen. Der diskreteste 210-PS-Golf, den es je gab.
1990 der Golf Country. Die Studie "Montana" wurde zum Serienmodell. Ein viertüriger syncro, um knapp zwölf Zentimeter angehoben. Schutzgitter an der Front. Reserverad am Heck mit Schutzbügel. Knapp 18 Zentimeter Bodenfreiheit. 98 PS. Kein Geländewagen. Aber nah genug dran. 7.735 Stück. Heute ein gesuchter Klassiker.
Die letzten Golf II liefen 1992 in Mosel, Sachsen, vom Band. Im ehemaligen Sachsenring-Werk. Wo bis zur Wende der Trabant gebaut wurde. VW vereinigte Ost und West auf dem gleichen Fließband. Das Sondermodell "Function" war der letzte Golf II. Gebaut in einer Trabant-Fabrik. Deutscher geht es nicht.
6,3 Millionen Golf II inklusive aller Derivate. Nahtabdichtung. Wachsflutung. Radhausschalen. VW sorgte dafür, dass der Golf II nicht rostete wie der Golf I. Der Fahrzeugbestand blieb dauerhaft hoch. 2026 sieht man immer noch Golf II auf der Straße. 43 Jahre nach der Vorstellung. 6,3 Millionen Gründe dafür.