07/06/2026
**Stellungnahme und Expertise zum Führen von Micro -Car,s mit der Führerscheinklasse AM**
Aufgrund häufiger Nachfragen seit letzter Woche möchten wir unsere Position als Fahrschule Mende & Meidel zum Thema Microcars und deren Nutzung mit der Führerscheinklasse AM erläutern.
Aus unserer Sicht stellt die derzeitige Regelung einen Fehler dar. Obwohl Micro- Car,s als mehrspurige Kraftfahrzeuge am Straßenverkehr teilnehmen, dürfen sie bereits mit der Führerscheinklasse AM gefahren werden.
Dies führt zu einer erheblichen Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Fahrzeugnutzung und der dafür vorgeschriebenen Ausbildung.
Die Ausbildung für die Klasse AM erfolgt auf einem einspurigen Fahrzeug, also einem Moped oder Roller. Ein Microcar hingegen ist ein mehrspuriges Fahrzeug mit völlig anderen Anforderungen an den Fahrzeugführer.
Wer die AM-Ausbildung absolviert, erlernt weder das Einparken, Rückwärtsfahren oder Wenden mit einem mehrspurigen Fahrzeug noch den Umgang mit Fahrzeugbreite, Platzbedarf oder die richtige Spurpositionierung.
Auch das Fahrverhalten eines geschlossenen Fahrzeugs unterscheidet sich grundlegend von dem eines Zweirads.
Wichtige Bestandteile der Pkw-Ausbildung, wie das Einschätzen von Fliehkräften, Kurvenverhalten, Fahrzeugabmessungen, Rundumsicht und Verkehrsbeobachtung aus einem geschlossenen Fahrzeug heraus, werden in der AM-Ausbildung nur teilweise oder gar nicht vermittelt.
Dennoch dürfen Fahrer nach bestandener AM-Prüfung ohne jede zusätzliche Schulung ein Microcar im öffentlichen Straßenverkehr führen.
Diese Regelung wirft erhebliche Fragen hinsichtlich der Verkehrssicherheit auf. Wenn die bestehende Gesetzeslage tatsächlich ausreichend wäre, um einen sicheren Umgang mit diesen Fahrzeugen zu gewährleisten, müsste man sich fragen, warum kaum eine Fahrschule nach Erwerb der Klasse AM eine zusätzliche Ausbildung für Microcars anbietet.
Die Praxis zeigt vielmehr deutlich, dass zwischen der Ausbildung auf einem Zweirad und dem Führen eines Microcars eine erhebliche Ausbildungslücke besteht.
Zusätzlich kommt eine rechtliche Problematik hinzu. Experten weisen auch seit Jahren auf die bestehende Diskrepanz zwischen den europäischen Fahrzeugvorschriften, insbesondere der EU-Verordnung 168/2013, und den nationalen Regelungen der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) hin.
Dadurch entsteht eine Situation, in der Fahrzeugführer zwar rechtlich zum Fahren berechtigt sind, jedoch keine fahrzeugbezogene Ausbildung erhalten haben.
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Sicherheit der Fahrzeuge selbst. Microcars werden häufig als sichere Alternative zum Moped dargestellt, weil sie vor Witterungseinflüssen schützen und über eine geschlossene Fahrgastzelle verfügen. Fachleute und Organisationen wie der ADAC, die DEKRA, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sowie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) weisen jedoch seit Jahren auf erhebliche Sicherheitsdefizite vieler Modelle hin.
Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände kritisiert seit Jahren die Ausbildung auf ein AM Fahrzeug und anschließend das Fahren mit einem Micro-Car.
Im Vergleich zu modernen Pkw verfügen zahlreiche Microcars über deutlich geringere Sicherheitsreserven. Häufig fehlen wichtige Sicherheitssysteme wie ABS, ESP oder Airbags. Zudem besitzen viele Fahrzeuge nur eingeschränkte Knautschzonen und bieten bei Unfällen deutlich weniger Schutz für die Insassen.
Besonders kritisch sind die Ergebnisse verschiedener Crashtests. So kam unter anderem ein von der DEKRA durchgeführter Test zu dem Ergebnis, dass die gemessenen Belastungen für die Insassen bei einem Unfall unter Umständen lebensbedrohliche Folgen haben können. In einem Bericht von Auto Motor und Sport wurde hierzu festgestellt:
*"An den Dummies haben die Tester Belastungen gemessen, die bei menschlichen Passagieren aller Wahrscheinlichkeit nach zum Tod geführt hätten."*
Und das bei 45/ km/h❗
Aus unserer Sicht entspricht der Sicherheitsstandard vieler dieser Fahrzeuge nicht den Erwartungen, die Verkehrsteilnehmer heute an ein motorisiertes Fahrzeug stellen dürfen.
Wer ein mehrspuriges Fahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr führen möchte, sollte daher auch eine entsprechende Ausbildung absolvieren.
Eine verpflichtende praktische Zusatzausbildung von mindestens fünf bis zehn Fahrstunden wäre aus unserer Sicht das absolute Minimum, um die bestehende Ausbildungslücke zu schließen und die Verkehrssicherheit zu verbessern. Was wieder mit zusätzlichem Kosten verbunden wäre.
Auch eine zusätzliche Ausbildung kann jedoch die konstruktionsbedingten Sicherheitsnachteile vieler Micro-Car,s nicht vollständig ausgleichen. Deshalb sehen wir die Entwicklung, immer mehr junge Fahrer ohne entsprechende Fahrzeugausbildung auf diese Fahrzeuge zu setzen, kritisch.
Unser Fazit lautet daher klar:
Microcars bieten zwar Schutz vor Regen, Kälte und anderen Witterungseinflüssen. Die derzeitige Regelung, nach der diese Fahrzeuge allein mit der Führerscheinklasse AM geführt werden dürfen, halten wir jedoch aus Ausbildungs- und Verkehrssicherheitsgründen für problematisch. Aus unserer Sicht besteht sowohl bei der Ausbildung als auch bei der Fahrzeugsicherheit erheblicher Nachbesserungsbedarf.
Betriebswirtschaftlich mag das Sinn machen, aus Sicht der Verkehrssicherheit nicht.
AM wird übrigens mit der Fahrerlaubnisklasse B ab 17 Jahre kostenlos mit erteilt ❗
Dieter Mende.
Fahrlehrer aller Klassen
Ausbilder bei Mobilitätseinschränkungen
Andreas Meidel
Fahrlehrer aller Klassen & Kraftverkehrsmeister
Test Auto Motor Sport
https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/crashtest-dekra-vox-microcar-citroen-ami-lebensgefahr/