21/10/2026
🇩🇪 Ein Luftfilter filtert beim SI nicht nur Luft!
Bei den klassischen Vespa-SI-Vergasern übernimmt der Luftfilter eine wesentlich größere Rolle, als man zunächst vermuten würde.
Er hält nicht nur Schmutz zurück. Seine Bauform, Filterfläche und die Abdeckung der Luftkorrekturdüsen beeinflussen auch die Gemischaufbereitung und damit die Motorcharakteristik.
Besonders interessant wird das beim Vergleich von PX 200, T5 125 und Cosa 200.
1. PX 200 – das klassische Luftfilterkonzept
Beim herkömmlichen PX-Luftfilter sind sowohl die Haupt- als auch die Nebenluftkorrektur vom Filtermaterial abgedeckt.
Dadurch hängt die tatsächlich verfügbare Korrekturluft nicht allein von der Größe der jeweiligen Düse ab. Auch die Strömungs- und Druckverhältnisse unter dem Luftfilter spielen eine Rolle.
Die gesamte Vergaserabstimmung ist auf diese Bedingungen ausgelegt.
2. T5 – große Filterfläche, kleiner Motor und kraftstofforientierte Gemischaufbereitung
Die T5 geht einen anderen Weg.
Hier treffen lediglich 125 cm³ Hubraum auf einen großen 24-mm-Vergaser.
Bei vergleichbarer Drehzahl und Schieberöffnung erzeugt der kleine Motor einen geringeren Luftdurchsatz und damit ein schwächeres Drucksignal zur Kraftstoffförderung als beispielsweise ein 200-cm³-Motor mit demselben Vergaserquerschnitt.
Um trotzdem ausreichend Kraftstoff bereitzustellen, muss die Gemischaufbereitung entsprechend ausgelegt werden.
Gleichzeitig soll der kleine Motor hohe Drehzahlen erreichen und entsprechend viel Luft aufnehmen können.
Dafür entwickelte Piaggio eine besondere Kombination:
Der T5-Vergaserkorpus ist gegenüber dem üblichen SI24/24E rund einen Zentimeter niedriger. Dadurch entsteht Platz für einen wesentlich höheren Luftfilter mit größerer wirksamer Filterfläche und integriertem Einlauftrichter.
Diese größere Filterfläche verbessert die Voraussetzungen für eine möglichst ungehinderte Ansaugluftversorgung.
Doch Piaggio verändert nicht nur die Luftversorgung, sondern auch die Gemischaufbereitung.
Die Hauptluftkorrektur wird freigestellt, während die Nebenluftkorrektur weiterhin unter dem Filter bleibt.
Obwohl die Hauptluftkorrektur frei angeströmt wird, verwendet Piaggio eine außergewöhnlich kleine 120er Hauptluftkorrekturdüse – die kleinste innerhalb der hier betrachteten klassischen PX- und T5-Abstimmungen.
Damit wird die frei verfügbare Korrekturluft durch eine entsprechend kleine Düsenbohrung gezielt begrenzt.
Besonders interessant ist das Nebendüsensystem.
Um bei den vergleichsweise niedrigen Strömungsgeschwindigkeiten ausreichend Kraftstoff bereitzustellen, verwendet die T5 eine ausgesprochen kraftstofforientierte Abstimmung:
Nebendüse 50/100 – Quotient 0,50.
Die Nebenluftkorrektur bleibt zusätzlich vom Luftfilter abgedeckt.
Hinzu kommt eine weitere konstruktive Besonderheit: Die Leerlaufgemisch-Austrittsbohrung im T5-Vergaser ist mit etwa 1,9 mm gegenüber ungefähr 1,5 mm beim Standard-SI deutlich größer. Das entspricht rund 60 % mehr geometrischer Querschnittsfläche.
Auch der Flachschieber wurde speziell angepasst.
Er besitzt keinen klassischen unteren Cutout zur zusätzlichen Bypass-Luftkorrektur. Stattdessen verfügt die T5 über eine besondere Aussparung im Bereich des Nebendüsensystems.
Diese beeinflusst die Strömungsverhältnisse beim Übergang zwischen Leerlauf- und Nebendüsensystem und lässt sich als Maßnahme zur Harmonisierung der kraftstofforientierten Abstimmung verstehen.
Alle diese Komponenten bilden gemeinsam ein aufeinander abgestimmtes System:
Großzügige Ansaugluftversorgung durch den hohen Filter, eine freigestellte, aber stark begrenzte Hauptluftkorrektur und eine besonders kraftstofforientierte Gemischaufbereitung im unteren Betriebsbereich.
So kann der kleine Motor trotz seines großen Vergasers ausreichend Kraftstoff erhalten und gleichzeitig seine hohe spezifische Leistung entwickeln.
Die T5 erreicht rund 12 PS bei 6.700 U/min.
3. Cosa 200 – kleinere Filterfläche, freigestellte Luftkorrekturen und ein schwereres Fahrzeug
Bei der Cosa verändert Piaggio das Konzept erneut.
Der Motor besitzt rund 200 cm³ und arbeitet ebenfalls mit einem 24-mm-SI-Vergaser. Das Fahrzeug ist allerdings erheblich schwerer als eine klassische PX.
Bei vergleichbaren Betriebsbedingungen erzeugt der größere Motor im gleichen Vergaserquerschnitt höhere Strömungsgeschwindigkeiten und stärkere Drucksignale als die kleine T5.
Dadurch ergeben sich andere Voraussetzungen für die Kraftstoffförderung und Gemischaufbereitung.
Anders als bei der T5 verwendet Piaggio einen flacheren, standardähnlichen Luftfilter mit entsprechend kleinerer Filterfläche.
Durch das geöffnete sogenannte Filterherz werden jedoch beide Luftkorrekturen freigestellt.
Sowohl die Haupt- als auch die Nebenluftkorrektur können nun direkter mit Korrekturluft versorgt werden, ohne unmittelbar vom Filtermaterial abgedeckt zu sein.
Zusätzlich besitzt die Cosa eine vorgeschaltete Filterung im Ansaugweg.
Die gesamte Ansaugluftversorgung wird dadurch unter anderen Bedingungen bereitgestellt als bei einer klassischen PX ohne zusätzlichen Vorfilter.
Parallel dazu verändert Piaggio die Düsenbestückung und die Schiebergeometrie.
Besonders interessant ist die Nebendüsenabstimmung der Cosa 200:
Nebendüse 48/140 – Quotient 0,343.
Damit arbeitet sie gegenüber der T5 mit ihrer 50/100-Nebendüse und dem Quotienten 0,50 nominell wesentlich luftorientierter.
Hinzu kommt, dass Piaggio bei der Cosa die Nebenluftkorrektur vollständig freistellt, während sie bei der T5 weiterhin unter dem Luftfilter liegt.
Auch die Schiebergeometrie unterscheidet sich deutlich.
Während die T5 ohne den klassischen unteren Cutout arbeitet, verwendet die PX Lusso bereits eine entsprechende Aussparung zur zusätzlichen Bypass-Luftkorrektur.
Bei der hier betrachteten Cosa-Ausführung ist dieser untere Cutout nochmals erheblich größer.
Dadurch steht im Übergangsbereich zwischen Neben- und Hauptdüsensystem eine stärkere zusätzliche Luftkorrektur zur Verfügung.
Die Kombination aus freigestellter Nebenluftkorrektur, luftorientierter Nebendüsenbestückung und großem Cutout ermöglicht eine magerere Gemischaufbereitung im unteren und mittleren Betriebsbereich.
Diese Auslegung unterstützt eine an das höhere Fahrzeuggewicht angepasste Leistungsentfaltung und Fahrbarkeit, gerade im niedrigen und mittleren Drehzahlbereich.
Die leistungsstärkere Cosa 200 erreicht rund 12 PS bei 6.000 U/min.
4. Drei Luftfilter – drei unterschiedliche Gesamtsysteme
Die Entwicklung zeigt, wie unterschiedlich Piaggio die Luftversorgung und Gemischaufbereitung gestaltet hat.
PX 200: Klassischer Luftfilter mit abgedeckter Haupt- und Nebenluftkorrektur.
T5 125: Besonders große Filterfläche, freigestellte Hauptluftkorrektur mit kleiner 120er Düse und weiterhin abgedeckte Nebenluftkorrektur. Dazu eine kraftstofforientierte Abstimmung für den kleinen, hochdrehenden Motor.
Cosa 200: Flacherer Luftfilter, beide Luftkorrekturen freigestellt, zusätzliche vorgeschaltete Filterung und eine anders ausgelegte Düsen- und Schiebergeometrie.
Der entscheidende Punkt:
Der Luftfilter beeinflusst nicht nur, wie viel Ansaugluft dem Motor zur Verfügung steht. Er verändert auch die Bedingungen, unter denen die beiden Düsensysteme ihre Korrekturluft erhalten.
Eine Luftkorrekturdüse unter dem Filter arbeitet deshalb nicht zwangsläufig genauso wie dieselbe Düse bei freier Anströmung.
5. Was hat LEMARXON daraus übernommen?
Bei der Entwicklung unserer SI-Vergasersysteme haben wir uns intensiv mit diesen unterschiedlichen Piaggio-Konzepten beschäftigt.
Ein besonders interessantes Prinzip finden wir sowohl bei der T5 als auch bei der Cosa: die freigestellten Luftkorrekturen.
Die T5 zeigt, dass eine großzügige Luftversorgung und eine begrenzte Korrekturluftmenge kein Widerspruch sind.
Trotz großer Filterfläche und frei angeströmter Hauptluftkorrektur verwendet Piaggio eine ausgesprochen kleine 120er Hauptluftkorrekturdüse.
Die Cosa zeigt dagegen, wie auch die Nebenluftkorrektur freigestellt und gemeinsam mit der übrigen Vergaserabstimmung an eine andere Motorcharakteristik angepasst werden kann.
Genau diesen Grundgedanken greifen wir bei LEMARXON auf.
Luft und Kraftstoff – haben ist besser als brauchen!
Bei LEMARXON verfolgen wir für beide Versorgungswege denselben Grundgedanken:
Luftversorgung:
Wir stellen dem Motor möglichst großzügig Ansaugluft zur Verfügung, beispielsweise durch große Filterflächen oder eine freie Ansaugung innerhalb der Vergaserwanne bei vorgelagerter Luftfilterung.
Haupt- und Nebenluftkorrektur werden freigestellt und anschließend durch die passenden Luftkorrekturdüsen gezielt dosiert.
Kraftstoffversorgung:
Durch die gezielte Erweiterung der Kraftstoffversorgungskanäle im Vergaser schaffen wir die Voraussetzung, dass auch bei hohem Kraftstoffbedarf ausreichend Kraftstoff zur Verfügung steht.
Die tatsächlich benötigte Kraftstoffmenge wird anschließend über die abgestimmten Düsensysteme dosiert.
Erst ausreichend bereitstellen, dann bedarfsgerecht dosieren.
So werden unnötige Engstellen in der Luft- und Kraftstoffversorgung reduziert, während die Gemischaufbereitung kontrolliert und auf die Anforderungen des jeweiligen Motors abgestimmt werden kann.
Denn Leistung entsteht nicht durch eine möglichst große oder möglichst kleine Düse allein, sondern durch das richtige Zusammenspiel des gesamten Systems.
LEMARXON – Vespa SI Vergasertechnik