30/03/2013
Brüggen Zu wenig Ausbildungsstellen für junge Leute
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 30.03.2013
Brüggen (RP). Auf 1905 Stellen kommen 3220 Bewerber. Die Arbeitsagentur appelliert an Betriebe, mehr Ausbildungsplätze anzubieten.
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Sabrina Scheiwe ist im ersten Ausbildungsjahr. Sie will Kfz-Mechatronikerin werden. In der Werkstatt bei Chef Marius Rosso (hinten) und Kfz-Meister Andreas Gorr fühlte sie sich vom ersten Tag an wohl. Foto: Franz-Heinrich Busch
Sabrina Scheiwe ist im ersten Ausbildungsjahr. Sie will Kfz-Mechatronikerin werden. In der Werkstatt bei Chef Marius Rosso (hinten) und Kfz-Meister Andreas Gorr fühlte sie sich vom ersten Tag an wohl. Foto: Franz-Heinrich Busch
Sabrina Scheiwe hat ihren Traumjob endlich gefunden: Die 25-Jährige will Kfz-Mechatronikerin werden. Das erste Ausbildungsjahr im Kfz-Betrieb von Marius Rosso im Brüggener Gewerbegebiet Weihersfeld hat sie bald hinter sich. "Ich habe Ägyptologie, Archäologie und Geschichte studiert", erzählt die junge Frau. Als sie merkte, dass diese Wahl doch nicht die richtige war, nahm sie ein Urlaubssemester, machte ein Praktikum bei Rosso, brach das Studium ab.
Sie ist die einzige Frau ihres Jahrgangs an der Berufsschule – aber absolut sicher, dass ihre Entscheidung richtig war. Die Kfz-Werkstatt Rosso bildet aus und gibt auch Frauen in männerdominierten Berufen eine Chance. Beispielhaft, wie der Leiter der Krefelder Arbeitsagentur, Ingo Zielonkowsky, findet. Jetzt erhielt Rossos Betrieb das Ausbildungszertifikat 2013 der Agentur für Arbeit – für ausgezeichnete Nachwuchsförderung.
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Loben kann er Unternehmen, die ausbilden, gar nicht genug. Noch immer fehlt es an Ausbildungsplätzen – und das in einem Jahr, in dem mit der Verkürzung der Schulzeit zwei Abiturjahrgänge gleichzeitig fertig werden. In Nordrhein-Westfalen rechnet man mit einem Plus von 55 000 Schulabgängern. Nicht alle werden an die Hochschulen gehen, viele werden auf den Ausbildungsmarkt drängen. "Dadurch haben wir ein sehr gutes Bewerberpotenzial", sagt Zielonkowsky.
Doch den 1905 gemeldeten Ausbildungsplätzen stehen derzeit in Krefeld und im Kreis Viersen 3220 Bewerber gegenüber. "Wir appellieren an alle Unternehmen, Ausbildungsplätze anzubieten", sagt der Leiter der Arbeitsagentur. Noch sei man weit davon entfernt, allen ausbildungsfähigen und ausbildungswilligen Jugendlichen ein Angebot machen zu können, sagt Zielonkowsy, der für die Stadt Krefeld und den Kreis Viersen erläutert: "Aktuell kommen auf 100 Bewerber nur noch 59 Ausbildungsplätze. Diese Entwicklung ist sehr bedenklich." Dabei ist die Situation in Krefeld günstiger als im Kreis Viersen: Beträgt die Relation von Bewerbern zu Stellen in Krefeld noch 100 zu 64, so stehen im Kreis Viersen 100 Bewerbern nur 54 Ausbildungsplätze zur Verfügung.
Betriebe sollten auch die Zeit im Blick haben, rät Zielonkowsy: "Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker etwa dauert dreieinhalb Jahre. Will ich also in vier Jahren die Fachkraft haben, muss ich heute ausbilden." Viele Betriebe spürten heute schon erste Auswirkungen des drohenden Fachkräftemangels. "Ohne entsprechende Ausbildungsangebote wird sich diese Situation mittelfristig noch deutlich zuspitzen."
Junge Leute sollten bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz mehr Flexibilität zeigen, auch in andere Berufe hineinschnuppern. Denn obwohl es in Krefeld und dem Kreis Viersen mehr als 200 anerkannte Ausbildungsberufe gibt, konzentrieren sich etwa 40 Prozent der jungen Bewerber auf die bekannten Top-Ten-Berufe – bei den Jungen sind das zum Beispiel Industriemechaniker, Bürokaufmann und Kfz-Mechatroniker, bei den Mädchen medizinische Fachangestellte, Bürokauffrau und Verkäuferin. "Jugendliche, die jetzt noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben, sollten sich unbedingt über Alternativen zum Wunschberuf informieren", rät Sebastian Stengel, Leiter der Berufsberatung für den Kreis Viersen. Auch über eine Ausbildung in einer anderen Stadt oder Gemeinde sollten Jugendliche nachdenken. Jugendliche sollten die Angebote nutzen, die zum Beispiel in Zusammenarbeit mit den Schulen gemacht werden – und mit deren Hilfe junge Leute feststellen können, wo ihre Stärken liegen. Das beginne in der 7. Klasse, so Stengel, "zu früh gibt es nicht".
Auch Bianca Abels (25), die vor Sabrina Scheiwe die Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin bei Marius Rosso gemacht hat und nun die Meisterschule besucht, hatte schon als Kind Freude daran, "zu Basteln und zu Schrauben", wie sie sagt. Dass sie in der Werkstatt landete, ist ihrer Mutter und der älteren Schwester zu verdanken. Beide rieten Bianca Abels, der ein begonnenes Jahrespraktikum im Kindergarten keinen Spaß machte, es doch in einer Kfz-Werkstatt zu versuchen. Der Tipp war ein Volltreffer. Abels: "Ich wusste vom ersten Tag an, dass mir dieser Beruf gefällt."
Quelle: RP
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