01/12/2025
Sportgeschichte(n) aus Oberhessen
Frank Jache – Ein Büdinger auf zwei Rädern ganz vorne dabei
Der Artikel stammt aus dem Jahr 1985 und beschreibt einen Sportler, der im regionalen Moto-Cross damals längst etabliert war. Frank Jache aus Büdingen gehörte seit vielen Jahren zuverlässig zur Spitzengruppe, startete bei zahlreichen Rennen und sammelte Meisterschaftspunkte im In- und Ausland. Sein Werdegang, seine Arbeitsweise und sein Einsatz im Amateurbereich geben einen sachlichen, aber eindrucksvollen Einblick in die Szene jener Zeit.
Im Folgenden der vollständige Zeitungsartikel von damals:
Frank Jache – Seit vielen Jahren in der Spitzengruppe dabei
Büdingen. Das vergangene Wochenende war, wie man so schön sagt, „nicht sein Rennen“. Frank Jache aus Büdingen, Clubmitglied und Schatzmeister des MV Seemengrund Büdingen, verlor in Kefenrod die Meisterschaft des Motorsport-Ringes (MSR) in der Moto-Cross-Soloklasse bis 500 Kubikzentimeter Hubraum (internationale Lizenz). Sieger wurde Rigobert Wattenbach (Heringen), der vor dem entscheidenden Lauf noch mit fünf Punkten zurückgelegen hatte. Jache beklagte einen platten Reifen und war deshalb chancenlos. Auch beim Wilhelm-Betz-Gedächtnislauf rückte der Erfolg nach einem Sturz in weite Ferne. Zwei negative Begebenheiten sicherlich, doch können die die seither herausgefahrenen Erfolge von Frank Jache nicht schmälern.
In den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten gehörte der 32jährige Maschinenbau-Techniker (Schwerpunkt Qualitätswesen) auf dem Amateursektor der Moto-Cross-Spezialisten zu den Besten und Erfolgreichsten. Wann er mit dem Motorsport angefangen hat, darüber „streiten sich die Geister“, wie er selbst sagt. „Ich weiß mit Sicherheit, daß ich 1969 einmal in der Schweiz gefahren bin, doch das erste Rennen muß schon ein Jahr vorher gewesen sein“.
Frank Jache begann seine Karriere auf einer 50-Kubikzentimeter-Maschine, bald stellten sich allerdings auch mit leistungsstärkeren Zweirädern die ersten Erfolge ein. 1972: Gesamtsieger im Junioren-Pokal der obersten deutschen Motorrad-Kommission (OMK) in der 500-Kubikzentimeter-Klasse; Vize-Meister mit einer „250er“ im selben Jahr. 1976: Sechster der Deutschen Meisterschaft (OMK) für 500er Maschinen. 1979: Deutscher Amateur-Meister in der gleichen Hubraumklasse. Bis heute heftete er insgesamt zehn Amateur-Meisterschaften an seine Fahnen.
Zur Zeit startet der Büdinger Motorsportler auch wieder in der Europameisterschaft der IMBA, das ist der Dachverband aller europäischen Amateur-Clubs. In der aktuellen Zwischenwertung ist er um Platz 15 zu finden, unter die ersten Zehn möchte er dabei schon noch einmal kommen, wie er selbst sagt: „Das ist schon noch eines meiner großen Ziele.“ Ziele, für die Jache sich noch Zeit nimmt, ans Aufhören denkt er im Moment nicht: „Wenn es weiterhin Spaß macht und die Gesundheit mitspielt, werde ich noch einige Zeit weitermachen.“
Auf rund 20 Veranstaltungen im In- und Ausland kommt Frank Jache bei seinen Aktivitäten pro Jahr. Wann immer sich die Zeit und Gelegenheit ergibt, wird er von seiner Frau und auch Kindern (insgesamt drei) begleitet. Mit einem Kleinbus und einem Personenwagen legt er an die 100 000 Kilometer zurück, seine Honda im Gepäck.
Für einen Amateur kommen da doch erhebliche Summen zusammen:
Rund 15 000 Mark pro Jahr inklusive der Neuanschaffung einer Maschine. „Wenn ich nicht unterstützt und nicht viel selbermachen würde, könnte ich mir das nicht leisten. Doch im Vergleich zu den richtigen Profis kommt ein Fahrer wie Jache noch immer billig weg; „Bei denen gehen die Kosten in die Hunderttausende.“
Bei der Vorbereitung der Maschine hilft ihm ein Bekannter, Peter Rings.
Die Honda leistet rund 70 PS, das sind nur unwesentlich mehr, wie sie als Serienmaschine (die man für etwa sechs- bis siebentausend Mark im Fachhandel erwerben kann) aufweist. Abgeändert und verbessert wird vorrangig das Fahrwerk, die vordere Gabel und das hintere Federbein, und die Sitzposition. Der Motor wird nur noch einiger Feinarbeit unterzogen. Jache: „Ich habe lieber 50 gesunde Pferde, als 60, die dann nicht richtig laufen.“
Vom Körperbau her gesehen ist der heimische Moto-Cross-Spezialist eher ein Leichtgewicht: 72 Kilogramm bei einer Größe von 175 Zentimetern gibt er an. Ist da genügend Kraft vorhanden? „Die Kraft alleine zählt nicht“, sagt der Fahrer. „Man kann sehr viel mit einer guten Technik machen, das ist kein Problem“. Möglicherweise hängt diese Einstellung mit seinem ganz großen Vorbild zusammen, der mehrfache belgische Weltmeister Roger de Coster. Jache: „Das war ein ganz großer Stilist.“
Jache fügt allerdings hinzu, daß er hart für seine Kondition arbeitet, denn „einen Winterschlaf kann man sich auch bei den Amateuren nicht mehr leisten. Wer hier vorne mitfährt, der kann auch sonst mitmischen.“
Die Wintermonate überbrückt der Büdinger deshalb mit Sport. Seit 1981 spielt er Badminton und kommt dabei auch in den Meisterschafts-Mannschaften zum Einsatz, in früheren Jahren spielte er aktiv Handball beim HC Büdingen. Und ausgerechnet dabei zog er sich seine bislang schwerste Verletzung zu, eine Knieoperation war notwendig.