06/08/2026
***** Tag 11: Glasglut und Touristenströme *****
Nach den Hitzetagen schlug das Wetterpendel heute etwas zu weit in die andere Richtung aus. Immer wieder zogen kräftige Regengüsse durch. Entsprechend unserer bewährten Grundregel, dass dort, wo wir sind, schönes Wetter herrscht, erlebten wir sie aber fast ausschließlich im Auto.
Wegen des unbeständigen Wetters änderten wir unsere ursprünglichen Pläne und fuhren ins tschechische Harrachov zur Glashütte Novosad & Sohn. Solche Besichtigungen kannten Anne und ich schon aus dem schwedischen Glasreich, für die Kinder war es aber neu. Und beeindruckend ist es jedes Mal: rotglühendes Glas, offene Öfen und Handwerker, die aus einer zähen, glühenden Masse Schritt für Schritt ein Gefäß formen.
Man bekommt sofort Respekt vor diesem Handwerk. Gleichzeitig trafen die fertigen Stücke unseren Geschmack überhaupt nicht. Vieles wirkte auf uns erstaunlich aus der Zeit gefallen. Und man ahnt, wie schwer es ein solcher Traditionsbetrieb heute wirtschaftlich haben muss.
Fast noch überraschender war das Drumherum. Das Grenzgebiet südwestlich von Jelenia Góra war regelrecht überlaufen, ohne dass wir beim Durchfahren erkennen konnten, welche große Attraktion all diese Menschen anzog. Straßenränder voller Autos, Einweiser auf den Parkplätzen und Orte, die fast vollständig aus Touristenfallen zu bestehen schienen.
Auch die Glashütte selbst war mit Shop, Restaurant, Brauerei und Museum deutlich touristischer aufgezogen, als es angesichts der eigentlichen Produktion angemessen wirkte. Nur die Parkplätze waren offenbar nicht mitgewachsen …
Der Ausflug passte trotzdem gut zum Wetter und brachte die gewünschte Abwechslung. Zurück blieb aber eine Erkenntnis, die uns auf Reisen immer stärker beschäftigt: Wer Menschenmassen meiden möchte, muss inzwischen ziemlich genau recherchieren, wohin er fährt. Gerade in den Schulferien reicht es nicht mehr, einfach nur ein vermeintlich abgelegenes Ziel auszuwählen.
Morgen soll es endlich trockener werden. Dann steht unsere letzte größere Wanderung an. Auch dabei lautet die Aufgabe: Riesengebirge ja, touristische Hauptschlagader lieber nicht.